
Experten schätzen, dass heutzutage rund 70.000 verschiedene Substanzen in einem Gebäude sind. Unter anderem Schadstoffe, ausgasende Gifte und Schimmelpilze. Diese gibt es nicht nur in der Bausubstanz sondern sie finden sich auch in Möbeln, Tapeten, Farben, Bodenbelägen und Lacken wieder. Bei der Auswahl von Materialien und Inneneinrichtungskomponenten sollte man daher auf geringe Schadstoffbelastung achten um sich nicht einem Giftcocktail in den eigenen vier Wänden auszusetzen.
Denn verschiedene Krankheitssymptome wie Kopfschmerzen, gereizte Schleimhäute, Übelkeit und Konzentrationsprobleme lassen sich mit Einrichtungsgegenständen, Anstrichen und ähnlichem in Verbindung bringen, wenn die Symptome unmittelbar beim Aufenthalt in schafstoffreichen Räumen auftreten und nach Verlassen der Räume wieder abklingen. Man spricht dann vom Sick-Building-Syndrom, dem krankmachenden Gebäuden. Lassen sich aber Krankheiten eindeutig auf Bausubstanzen oder Materialien zurückführen, dann spricht man auch von Building-related-Illness, einer mit dem Gebäude direkt verbundenen Krankheit.
Auch wenn man diese Schadstoffe und Gifte nicht sehen kann, so kommen sie doch in fast jeder Wohnung vor – oft in gsundheitsgefährdender Anzahl und Mischung. Dennoch ist die von Gerüchen, Fasern, Staub und ähnlichem ausgehende Gefahr für viele Menschen zu abstrakt und das Vertrauen in gesetzliche Vorschriften sehr hoch, so der Berliner Mieterverein. Auch ist der Zusammenhang zwischen Krankheiten wie Krebs und Asthma mit Wohngiften oft nur schwer nachweisbar. Da wir aber rund 80% unserer Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, sollten wir gerade hier die Schadstoffbelastung so gering wie möglich halten und wissen, welche Gifte sich wo verstecken können.
Die größten Belastungen gehen von folgenden Wohnkomponenten und Haushaltsgiften aus:
Formaldehyd ist das Wohngift Nummer eins und dünstet bis zu zwei Jahrzehnte in die Raumluft aus. Es ist ein allgegenwärtiges farbloses Gas und vor allem enthalten in Span- und Sperrholzplatten aber auch in Möbeln, Fußböden, Teppichklebern, Lacken und Parkettversiegelungen. Man erkennt es a stechenden Geruch, der Schleimhautreizungen und Kopfschmerzen auslöst und zu Asthma, Krebs und Hautleiden führen kann. Wie bei den meisten Schadstoffen in Wohnräumen gibt es hier auch keine verbindlichen Grenzwerte, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht ab Werten über 0,08 ppm Anlass zur Sorge.
Asbest ist eine Altlast, die, obwohl die von Asbest ausgehende Krebsgefahr seit den 30er Jahren bekannt ist, noch bis Ende der 80er Jahre in Fassaden, Nachtspeicheröfen, Wasserrohren, Dämmstoffen, Fußböden, Sokalit-Platten und so weiter verbaut wurde, so der Berliner Mieterverein. Unterschieden werden muss allerdings zwischen fest gebundenem Asbest, zum Beispiel in Fassaden, und schwach gebundenen Fasern. Nur in letzerem Fall besteht bei Beschädigung die Gefahr, dass die gefährlichen Fasern in die Umgebung gelangen.
Chlorverbindungen wie PCB (Polychlorierte Biphenyle und PCT (Polychlorierte Terpentyle) gehören auch zu den Altlasten. Sie wurden meist zur Fugenabdichtung von Fenstern und Betonbauteilen verwendet, aber wurden auch lange Zeit als Flammschutzmitteln für Farben, Lacke und Isolierungen elektrischer Kabel verwendet, so der Berliner Mieterverein. Zwar sind PCB und PCT seit 1989 verboten, sie gasen jedoch auch jahrzehntelang aus und werden auch heute noch bei fast jeder Hausstaubprobe nachgewiesen. Sie können innere Organe schädigen und das Immunsystem stören.
Schimmelpilze und die giftigen Schimmelsporen entstehen häufig durch unzureichendes Lüften, nicht luftdurchlässige Wandanstriche oder Tapeten, oder durch Wärmebrücken. Hier hilft kein Überstreichen oder einfaches Abwischen, denn diese Vorgänge setzen die giftigen Sporen erst recht frei und verteilen sie noch mehr in der Raumluft. Atmet man die Sporen ein oder trägt sie auf der Haut oder in der Kleidung können sie zu ernsthaften Krankheiten führen. Besonders Babys und Kleinkinder sind gefährdet und können Atemwegserkrankungen und Asthma bekommen. Zur Schimmelentfernung sollte man daher immer einen Fachmann holen.
Parkettböden sind zwar ein beliebter Fußbodenbelag, jedoch tickt laut Stiftung Warentest in hunderttausenden Deutschen Parkettböden eine chemische Zeitbombe, da die Parkettkleber neben PCB auch den Krebs erregenden PAK (Polyzyklische aromatischer Kohlenwasserstoff) enthalten. Ist die Holzoberfläche dicht versiegelt besteht kein Anlass zur Sorge, aber sobald sich einzelne Teile lösen kann Kleberstaub aufgewirbelt werden, der besonders für Kleinkinder zur Gefahr werden kann. Hier wird eine Sanierung oder komplette Entfernung des Bodens nötig.
Holzschutzmittel sind auch nach wie vor ein Problem, besonders bei unsanierten Dachstühlen, die oft mit dem hochgiftigen DDT verseucht sind, warnt der Berliner Mieterverein. Aber auch Decken- und Wandverkleidungen wurden früher oft mit den Holzschutzmitteln PCP und Lindan bestrichen. Solche Holzpaneele müssen so schnell wie möglich entfernt werden. Vorher sollte man sich aber fachkundigen Rat einholen und außerdem beachten, dass behandeltes Holz als Sondermüll entfernt werden muss, so der Mieterverein.
Auch die Renovierung von Wohnungen kann Ihnen giftige Chemiecocktails bescheren. Denn wenn man frisch streicht, tapeziert oder Teppich verlegt holt man sich reichlich Lösemittel in die Wohnung, die auch nach Abklingen des typischen Geruchs ncoh längst nicht verschwunden sind. So lassen sich oft noch Monate nach Renovierungsmaßnahmen erhöhte Lösemittelkonzentrationen in der Luft nachweisen. Aber auch schon während des Streichens, Teppich verklebens und Tapezierens atmet man eine Menge Lösemittel ein, von der Farben und Lacke heutzutage zu viel enthalten (pro Liter Farbe bis zu ein halber Liter Lösemittel), warnt der Berliner Mieterverein. Außerdem können in Bodenbelägen wir Teppich und PVC auch giftige Weichmacher vorkommen.
Nicht nur durch Baumaterialien und Renovierungsmaßnahmen, sondern auch durch Büroinventar und Elektrogeräte kann man sich zu Hause die Luft verpesten. Denn Flammschutzmittel in Computern und Fernsehern sowie Ozonbelastungen durch Laser-Drucker sind weitere Komponenten des häuslichen Schadstoff-Cocktails.
Mit ein bisschen Kenntnis und Achtsamkeit kann man beim Einkauf und anstehenden Renovierungsmaßnahmen darauf achten, dass man sich nicht noch mehr Schadstoffe in die Wohnung holt. Hierfür gibt es Gütesiegel wie der Blaue Engel vom Umweltbundesamt sind eine gute Orientierungshilfe. Zwar sind Produkte, die mit solchen Umweltsiegeln versehen sind nicht gänzlich harmlos, aber haben eine durchaus geringere Belastung. Auch die Untersuchungen von Ökotest und Stiftung Warentest können wertvolle Hinweise bieten. Eine Beratung durch Fachpersonal für Umwelt oder Schadstoffe ist auch hilfreich, besonders wenn Sie umfassend renovieren möchten.
Hier sind noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten, die die Schadstoffbelastung gering halten:

Haben Sie trotz aller Maßnahmen das Gefühl, dass die Schadstoffbelastung zu hoch ist oder haben Sie Angst, sich dauerhaft schädlichen Ausgasungen auszusetzen, dann konsultieren Sie am besten einen Experten. Dieser kann ein Luft-Gutachten erstellen und sie fachgerecht über Änderungen und Renovierungs- sowie Sanierungsmaßnahmen beraten.
Sie können auch Selbsttests im Internet oder z.B. bei der Stiftung Warentest bestellen. Für die Auswertung dieser Tests sollten Sie aber dennoch einen Schadstoff-Experten zu Rate ziehen.